Seit über 43 Jahren auf Sendung: Der Tatort im Jahr 2013

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1970 ging mit „Taxi nach Leipzig“ unter Kommissar Trimmel der erste Tatort in der ARD auf Sendung. Seitdem ist der Tatort zu Deutschlands beliebtester Krimireihe geworden, sodass es Inzwischen beinahe 900 Folgen mit dutzenden Ermittlern gibt, die sich in unregelmäßigen Zyklen abwechseln. Jede Sendeanstalt der ARD hat mindestens ein Ermittlerteam und die Sendeanstalten drehen ihre Folgen unabhängig voneinander. So entstehen inzwischen über 30 neue Folgen in jedem Jahr. Dass es da nicht einfach fällt, den Überblick zu behalten, versteht sich von alleine.
Als Til Schweiger dieses Jahr sein Tatort-Debüt als Kommissar Tschiller gab, war der Tatort groß in den deutschen Leitmedien vertreten und Schweigers erster Tatort, der den Titel „Willkommen im Hamburg“ trug, wurde – nicht nur im Internet – kontrovers diskutiert. Weniger bekannt ist jedoch, dass der NDR nur gut einen Monat später, im April 2013 mit Kommissar Falke, gespielt von Wotan Wilke Möhring und seinen Kollegen Kommissarin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Kommissar Katz (Sebastian Schipper) ein weiteres neues Ermittlerteam einführte und nun über insgesamt 4 Ermittlerteams verfügt.

Übrigens: Das älteste, noch aktive Ermittlerteam ist Odenthal und Kopper vom SWR, die seit 1989 auf Sendung sind. Batic und Leitmayr, die seit 1991 im Bayrischen Rundfunk ermitteln, halten den Rekord der meisten Folgen, in insgesamt 24 Folgen ermittelten die Kollegen bis dato.
Aber zurück zu den aktuellen Entwicklungen im Tatort. Neben Tschiller und Gümer und Falke, Lorenz und Katz hat dieses Jahr noch ein weiteres Ermittlerteam die Leinwand betreten: Kommissar Stellbrink (Devid Striesov) und Kommissarin Marx (Elisabeth Brück) ermitteln im Saarland und sind damit das einzige Entwicklerteam des SR, der sich 2012 nach nur 6 Jahren und 7 Folgen von den Kommissaren Kappl und Deininger getrennt hatte.
Sogar noch ein weiteres Entwicklerteam feiert dieses Jahr sein Debüt. Am 17. November 2013 sollen Friedrich Mücke, Benjamin Kramme und Alina Levshin als Kommissar Henry Funck, Kommissar Maik Schaffert und Juristin Aline Grewel auf Sendung gehen. Der MDR, der bis heute noch nie zwei gleichzeitig aktive Teams hatte, verdoppelt damit sein aktuelles Kontingent. Außerdem plant der NDR für den zweiten Weihnachtsfeiertag einen „Event-Tatort“ mit den ebenfalls bisher nicht in Erscheinung getretenen Ermittlern Kommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner) und Kommissar Lessing (Christian Ulmen), die in Weimar auf Jagd nach Verbrechen gehen werden.
Wie sicherlich einfach festzustellen, nimmt die Anzahl der Ermittler im Tatort langsam überhand. Aktuell sind es 21 Teams, so viele, dass kürzlich sogar der Intendant des SWR sagte, dass man an einer Grenze sei und die Reihe nicht überstrapazieren solle. Zum Vergleich: Die Schwesterserie Polizeiruf 110, die früher das ostdeutsche Pendant zum Tatort war und sich den Sonntagabend mit dem Tatort teilt, kommt mit aktuell drei, geplanten vier Ermittlerpaaren aus.
Trotzdem hat der Bayrische Rundfunk bereits im Oktober 2012 angekündigt, ein weiteres Ermittlerteam in Franken anlaufen zu lassen – jedoch frühestens im Jahre 2014. Im selben Jahr muss sich auch der Hessische Rundfunk nach neuen Ermittlern umschauen. Joachim Król, bekannt als Kommissar Frank Steier hat kürzlich bekannt gegeben, den Tatort verlassen zu wollen, nun muss ein neues Team gefunden werden, da Nina Kunzendorf ebenfalls nicht mehr als Conny Mey auftreten wird. Sie sollte zunächst von Margarita Broich ersetzt werden, aber nun wird für sie noch ein neuer Partner gesucht, der HR hat also ab 2014 ein komplett neues hessisches Ermittlerteam.
Übrigens: Ermittlerpaare sind gar nicht von Anfang an im Tatort üblich gewesen. Erst seit den 1990ern ist es üblich, gleichberechtigte Ermittlerpaare spielen zu lassen, früher war es üblich, dass die Hauptfigur Assistenten zur Seite gestellt bekam – was ja heute auch noch üblich ist – aber ansonsten als Einzelkämpfer unterwegs war. Inzwischen gibt es sogar Entwicklertrios oder die Assistenten haben sich als eigenständige Hauptcharaktere etabliert.
Das Jahr 2013 hatte für den Tatort auch abseits der neuen Gesichter einiges zu bieten. Nachdem Til Schweiger mit seinem Debüt einen Marktanteil von 33,6% erreichte, demnach 12,74 Millionen Zuschauer vor die Mattscheibe locke und damit die höchsten Quoten seit 1993 und die zweithöchsten Quoten überhaupt erzielte, gelang dem WDR nur zwei Wochen später der nächste Quotenrekord: Im Tatort „Summ, Summ, Summ“ ermitteln Thiel und Boerne während ihrer Ermittlungen an einer Bremer Journalistin von Bananenspinnen aus ihrer Wohnung verjagt werden und im Hotel mitbekommen, wie Schlagerstar Roman König von einem ehemaligen Bandkollegen erpresst wird und kurz darauf tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wird. Dieser Tatort locke noch 250.000 Zuschauer mehr auf den Bildschirm und konnte sich über einen durchschnittlichen Marktanteil von 34,1% freuen.

Neben einem über Facebook veranstalteten Quoten-Flashmob, dürfte die Figur des Roman König bei den Quoten die entscheidende Rolle gespielt haben, denn er wird von keinem geringerem als dem Schlagerstar Roland Kaiser gespielt, dessen Präsenz die Quoten maßgeblich beeinflusst haben sollte.
Wussten Sie eigentlich, dass Gastauftritte von Prominenten gar nicht so selten sind? Nicht nur Roland Kaiser spielte schon mal beim Tatort mit, auch Moderatoren wie Jörg Pilawa, Sportler, wie Arthur Abraham oder Musiker wie Die Toten Hosen oder Bela B. von den Ärzten, traten bereits beim Tatort auf. Und auch Tatort-Kommissare untereinander besuchen sich gerne mal.
Seit einiger Zeit geht der Tatort neue Wege. Im Mai 2012 wurde nach dem Tatort „Der Wald steht schwarz und schweiget“, dessen Handlung einen guten Aufhänger bot, ein Online-Spiel geschaltet, an dem sich über 100.000 Spieler beteiligten. Angesichts dieses Erfolges wurde vor einiger Zeit eine ähnliche Aktion wiederholt, diesmal deutlich komplexer und größer angelegt, so arbeitete der Sender unter anderem mit Google Hangout und Bierdeckeln in speziellen Tatort-Kneipen. Diese Aktion, die zwar mit einigen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, zeigt, welche Wege das Fernsehen gehen kann. Das Fernsehen verknüpft sich enger mit dem sogenannten Second Screen, also den sozialen Netzwerken und dem Internet im Allgemeinen und der Erfolg gibt den Machern Recht. Dieser Tatort Plus, wie er bezeichnet wurde, erreiche einen Marktanteil von 28,4% und zeitweise waren die Server unter dem hohen Andrang von tausenden von begeisterten Fans nicht mehr zu erreichen.

Und was passiert sonst so? Das Publikum des Tatorts wird überraschenderweise immer jünger und der Tatort setzt sich mit aktuellen Problemen auseinander. 2010 erschien eine kontrovers diskutierte Folge, die sich kritisch mit Scientology auseinandersetze, 2011 beschäftigte sich eine Folge mit Organhandel; eine weitere Folge beschäftigte sich mit zurückgekehrten Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan.
Die Frankfurter Rundschau schrieb einmal dass der Tatort seit rund 30 Jahren die bundesrepublikanische Realität abbilden würde und daher ist davon auszugehen, dass der Tatort auch künftig als eine feste Institution innerhalb der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erhalten bleiben wird und sich souverän den Herausforderungen der neuen Zeit stellen wird – in technischer wie auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht.