Die Victoriafälle zwischen Simbabwe und Sambia

Victoria_Falls


 

Die Victoria Fälle
Unter ohrenbetäubenden Lärm stürzen die gewaltigen Wassermassen des Sambesi unvermittelt in eine tiefe und gleichzeitig auch sehr schmale Schlucht. Wenn man dem ruhigen Flusslauf oberhalb der Victoria Fälle folgt, ahnt man kaum, dass der Strom wenige Meter weiter die größten Wasserfälle der Erde bildet. Wenn man sich den Victoria Fällen, den größten Wasserfällen der Erde, von der Stadt nach Maramba (Livingstone) her nähert, erblickt man als erstes eine seltsame weiße Wolke von 100-200 m Höhe, die schon aus einer Entfernung von 35 km zu erkennen ist. Es ist der nebelartige Sprüh zerstreuten Wassers, der wie ein riesiger Schleier über den Fällen schwebt. Die Victoria Fälle werden von Sambesi, dem Grenzfluss zwischen Sambia und Simbabwe, gebildet. Die ersten Europäer, die dieses Naturschauspiel zu sehen bekamen, waren vermutlich burische Jäger, die im Jahr 1830 bis zum Sambesi vorstießen. Als eigentliche Entdecker der Fälle gilt jedoch David Livingstone, der 1855 als erster über sie berichtete. Er benannte sie nach der damaligen englischen Königin Victoria.
Unter den großen Wasserfällen der Erde halten die Victoriafälle einen absoluten Rekord: Sie besitzen mit Abstand die längste Fallkannte. Die gewaltigen Wassermassen des Sambesi stürzen auf einer Breite von rund 1800 m (Niagarafälle: maximal 950 m) als riesiger weißer Vorhang in die Tiefe. Dieses eindrucksvolle Bild bietet sich dem Besucher jedoch nur in den Monaten März und April, wenn der Sambesi Hochwasser führt. Bei niedriger Wasserführung löst sich der längste Wasservorjang  der Erde in einzelne Teilstücke auf, denn mehrere Inselvorsprünge in unmittelbarer Nähe der Fallkannte führen dann zur Bildung von fünf Einzelfällen, die sich in westöstlicher Richtung aneinander Reihen:
-Devils Cataract (Teufelsfall)
-Main Fall (Hauptfall)
-Rainbow Fall (Regenbogenfall)
- Eastern Cataract (Östlicher Fall)
Die Fallhöhe beträgt beim Devils Cataract  75 m. Sie nimmt nach Osten beständig zu und erreicht beim Rainbow Fall 119 m. Damit sind die Victoriafälle mehr als doppelt so hoch wie die berühmten Niagarafälle. Die Eingeborenen nennen die Victoriafälle Mosiwatunja, was auf deutsch "donnernder Rauch" bedeutet. Wie zutreffend dieser Name ist, kann man am eindrucksvollsten während der Hochwasserperiode des Sambesi beobachten. Die Abflussmenge steigt dann von 300 m3/s auf das 18 fache 5400 m3/s an. Die Wassermassen des fast 2 km breiten Flusses stürzen unter ohrenbetäubendem Lärm in eine rund 100 m tiefe Schlucht und werden je auf einer Breite von nur 40-100 m zusammengedrängt. Durch die Einschnürungen des in die Tiefe stürzenden Wasservorhanges entsteht ein Luftstrom, der entlang der senkrechten Schluchtwände in die Höhe schießt und nicht nur Wassertropfen mit sich reißt, die die weithin sichtbare Sprühwolke bilden, sondern auch leichteres Treibgut des Sambesi. Die Sprühwolke der Victoria Fälle, an der sich fast ständig die Strahlen der Sonne brechen (Regenbogenfall), ist so gewaltig, dass sie in der Umgebung der Fälle einen üppigen Regenwald gedeihen lässt. Sobald sich die Wassermassen des Sambesi am Grund der Schlucht gesammelt haben,fließen sie als reißender Strom durch einen engen Durchlass in einen zweiten Canyon, an den sich noch eine Folge von sieben weiteren, zickzackförmig angeordneten Schluchten anschließt. Sie besitzen alle mehr oder weniger die gleichen Abmessungen. Die Entstehung der Victoriafälle und der neuen stromabwärts gelegenen Schluchten ist das Ergebnis des Gesteinsuntergrundes und der Erosion des Sambesi. Der mächtige Strom fließt oberhalb der Fälle auf einer ausgedehnten, mehr als 3 m mächtigen Basaltstafel. Das dunkle Gestein ist von einem dichten Kluft- und Verwerfungs-Netz durchzogen, und zwar sowohl in ostwestlicher als auch in nord-ost-südwestlicher Richtung. Vor einigen 100.000 Jahren räumte der Ur-Sambesi den Basalt zunächst entlang einer Verwerfung von bis zu 100 m tief aus. An dieser Stelle lagen die Ur-Victoriafälle. Durch rückwärtiges Einschneiden erodierte der Fluss weiter stromaufwärts bald darauf eine zweite Schlucht. Die ersten Wasserfälle wurden an diese Stelle verlegt. Dieser Vorgang hat sich bis in unsere Zeit insgesamt noch siebenmal wiederholt, wobei die zickzack-förmig angeordneten Schluchten des Sambesi als Zeugen der Flussgeschichte übrig blieben.


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