Der Rhein mit seinen sagenumwobenen Burgen und Schlössern

Koblenz_Ehrenbreitstein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Bild:Festung Ehrenbreitstein Koblenz; Bildquelle:Wikipedia.org; Urheber:Holger Weinandt /Creative Commoms-Lizens)


 

Der Rhein mit seinen sagenumwobenen Burgen und Schlössern

Nicht nur Victor-Marie Hugo - einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller, der jemals gelebt hat - stellte philosophische Überlegungen über den Rhein an und mutmaßte über dessen Bedeutung für "die Vergangenheit und Zukunft Europas". Auch der Volksmund weiß in alten Sagen, Legenden und Liedern viel über diesen Fluss zu berichten. Viele Mysterien ranken über die Wasserstraße, die seit Jahrhunderten eine überragende Bedeutung für die mitteleuropäische Entwicklung inne hat.

Die Bedeutung des Rheins

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Rhein auch von Nationalisten im Laufe der Geschichte immer wieder für ihre Zwecke missbraucht wurde. Im Zuge des westdeutschen Aufschwungs und der Reindustrialisierung sowie auch der heutigen Landwirtschaft und der sich noch am Rhein befindlichen Industrieanlagen ist ferner leider auch von einer Umweltverschmutzung zu reden, die das reiche Leben entlang des Stroms immer wieder bedrohte und immer noch bedroht. Doch hier soll es um die Bauwerke und die vor Jahrhunderten entstandenen Strukturen im Einzugsgebiet des Flusses gehen.

Der Rhein war zu früheren Zeiten mit seinen 1238 Kilometern Gesamtlänge, die im Schweizer Sankt-Gotthard-Massiv ihren Ursprung und im niederländischen Rhein-Maas-Delta und letztlich in der Nordsee ihre Mündung finden, eine der wichtigsten europäischen Handelsstraßen. Das Einzugsgebiet des Flusses von über 185 000 km² war schon zu Zeiten der alten Römer wichtiges Siedlungsgebiet, wobei der Rhein stets als Grenze zwischen Herrschaftsgebieten fungierte. Die einstweilen spaßige Rivalität zwischen Linksrhein- und Rechtsrheinbewohnern kommt nicht von ungefähr.

Heute sind unmittelbar und teilweise etwas abgelegen (an den zahlreichen Nebenflüssen) 20 Gemeinden, die jeweils über 100 000 Bewohner aufweisen, ansässig. Dazu gehören Mainz, Koblenz, Basel, Karlsruhe (an der Ill), Rotterdam, Köln oder auch Duisburg sowie Utrecht, Leverkusen und neben weiteren auch Mannheim und Ludwigshafen. Der Rhein hat dabei auch heute noch mehr Bedeutung, als dass er teilweise zum Baden, Schwimmen oder Ufer-Flanieren benutzt wird. Vielmehr nutzen zahlreiche Kraftwerke nicht nur seine Strömungskraft zur Stromerzeugung, sondern wird das Rheinwasser auch als Kühlungswasser und als Ableitung für (gereinigtes) Abwasser verwendet. Zudem ist der Strom immer noch eine viel befahrende Wasserstraße und wird bspw. zum Transport von Standard-Containern mit Inhalt aller Art sowie zum Transport von Rohstoffen wie Eisenerz, Kohle oder Stahlschrott befahren.

Touristische Attraktionen entlang des Rheins

Hunderttausenden Touristen aus dem In- und Ausland dienen zahlreiche Burgen, Schlösser und Wehranlagen, teilweise nur noch in Form von Ruinen, als beliebtes Ausflugsziel mit Bildungs- und Entspannungsanspruch zugleich. Links und rechts vom Rhein sind über 40 solcher Bauten zu besichtigen. Zur Einführung kurz eine Erklärung über den Unterschied von einer Burg und einem Schloss: Eine Burg war eine bewohnte Festung, die vor allem Angreifer abwehren sollte und zugleich oft als Knotenpunkt diente. Sie hatte also vor allem einen wehrhaften Charakter. Ein Schloss hingegen war eher als Herrschaftssitz zu verstehen, der nicht solche großen Verteidigungsmaßnahmen fahren konnte. Vom Charakter her ist ein Schloss also eher repräsentativ. Im Volksmund wurde jedoch schon im Mittelalter Burg und Schloss (und Stadt) zeitweise gleichgesetzt, heute setzt man in der Sprache Unterschiede zwischen den architektonischen Bauten.

Interessante und viel besuchte Burgen entlang des Rheinstroms sind bspw. die Burg Klopp bei Bingen, die Burg Katz bei Sankt Goarshausen und dem UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, wo die Loreley beheimatet ist, die Alte Burg bei Boppard, die Martinsburg, die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz und auch die Marienburg oder die Ruine Hammerstein. Es nimmt kein Ende: Entlang des Rheins sind auch das Rolandseck, das Kurfürstliche Schloss zu Bonn oder die Wolken- sowie die Löwenburg zu nennen. Und das sind nur ein paar Beispiele unter vielen. Wer einen Urlaub mit der Besichtigung vieler Bauten plant, sollte sich genügend Zeit nehmen.

Die Loreley mit der Trutzburg Katz

Die Loreley ist ein Felsen bei der Stadt Sankt Goarshausen in Rheinland-Pfalz. Der Schieferfelsen, der 132 Meter in der Höhe misst, ist durch die UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt und damit geschützt. Schon im Mittelalter wird die Loreley mit der Nibelungensaga in Zusammenhang gebracht, welche durch Richard Wagners "Ring der Nibelungen" ihre Renaissance in der deutschen Kulturgeschichte fand. Doch nicht nur die Geschichte um die Figuren Siegfried, Kriemhild, Brünhild oder Chilperich und auch nicht allein der imposante Felsen ziehen den Bann der Touristen auf sich. Sondern es ist die Aussicht von der Aussichtsplattform auf der Loreley. Denn von dort aus sieht man die Stadt St. Goarshausen mit der Trutzburg Katz sowie auch die Stadt St. Goar mit der Burg Rheinfels. Eine imposante und atemberaubende Sicht, die das Kopfkino unweigerlich starten lässt.

Leider ist die rechtsrheinische Burg Katz (eigentlich: Burg Neukatzenelnbogen), die zusammen mit der Rheinfels-Burg (ca. 3 Kilometer entfernt) Ende des 14. Jahrhunderts als Sperriegel zur Rheinzollerhebung fungierte, nicht direkt zu besichtigen. Sie befindet sich in Privatbesitz eines japanischen Unternehmensberaters. Ein Nutzung als Hotel war usprünglich geplant, doch auch im Jahr 2013 hat sich seitens des Besitzers nichts Neues ergeben.

Die linksrheinische Burg Rheinfels hingegen befindet sich im Besitz der öffentlichen Hand und kann besucht werden. Ein Museum sowie die Besichtigung der unterirdischen Gewölbe gestalten den Aufenthalt noch spannender und interessanter. Auch Übernachtungen sind hier möglich: Auf dem Gelände befindet sich ein Schlosshotel.

Zollburg Pfalzgrafenstein

Nicht wesentlich weit weg von den Burgen Rheinfels und Neukatzenelnbogen liegt die Zollburg Pflazgrafenstein. Eine Besonderheit fällt sofort ins Auge, wenn man sie erblickt: Sie liegt nicht etwa links oder rechts vom Rhein - sondern mittendrin, auf einem Felsenriff. Wie der Binger Mäuseturm, diente die Burgs zur Erhebung des Zolls, denn die Überfahrt des Rheins musste man sich etwas kosten lassen. Interessant: Der Pfalzgraf Ludwig der Bayer wurde ca. zur Zeit der Entstehung der Burg mit einem Bann vom Papst belegt, denn er weigerte sich, den angemessenen Teil der Zolleinnahmen an die Kirche weiterzugeben. Besichtigen kann man die kleine Burg, die ihre Gründung im Jahr 1326 erlebte, problemlos. Über eine Fähre bei der Stadt Kaub ist eine Überfahrt möglich.

Die Burg Linz

Weiter nördlich, aber noch in Rheinland-Pfalz gelegen, ist die Erzbischöfliche Burg Linz gelegen. Sie wurde von 1364 bis 1368 gebaut und diente als Zollburg sowie als Verteidigungsanker gegen Gefahren rechts des Rheins. Der damalige Auftraggeber war der Kurfürst und gleichzeitige Erzbischof zu Köln. Die Kosten für die Wasserburg betrugen damals 30 000 kölnische Mark. So wie heute üblich, wurde damals allerdings unüblicherweise ein Kredit aufgenommen - um diesen wieder abzuzahlen, musste die Linzer Burg nach Erbauung für acht Jahre verpfändet werden.

Eine Besichtigung der Burg ist möglich und kann mit einem Besuch der Burggastronomie sowie des Burgverlieses inkl. Folterkammer verbunden werden. Außerdem ist in der Stadt Linz auch noch das Schloss Rennenberg sowie in der Nähe die Burg Ockenfels gelegen.

Das Kurfürstliche Schloss in Koblenz

Einen sehr imposanten Bau findet man in Koblenz vor. Hier steht das Kurfürstliche Schloss, welches in französisch-frühklassizistischer Bauweise anfangs als Repräsentationssitz des Erzbischofes und Kurfürsten von Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, diente. Heute sind dort Bundesbehörden ansässig - einen schöneren Arbeitsplatz kann man wohl nicht haben. Nach der Haager Konvention ist das Schloss, welches von 1777 bis 1793 erbaut wurde, ein geschütztes Kulturgut und gehört auch zum UNESCO-Welterbe. Doch original erhalten ist es natürlich nicht. Es wurde im Zweiten Weltkrieg durch Alliierte Luftangriffe fast vollständig zerstört, jedoch schon 1950 - 1951 wieder aufgebaut. Die innere Gestaltung entspricht allerdings dem 50er-Jahre-Stil, mit Ausnahme einzelner Bestandteile, die als ganz besonders angesehen werden, wie z.B. das Treppenhaus oder der Gardesaal. Als ideales Bauwerk für große Veranstaltungen wird es gerne benutzt, so hielt der Schlossgarten 2011 bspw. für die Bundesgartenschau her.

Schloss Stolzenfels

Nicht weit weg vom Kurfürstlichen Schloss liegt südlich, ebenfalls linksrheinisch, das Schloss Stolzenfels. Es gilt als der bekannteste Vertreter der rheinischen Romantik und wurde 1259 nach 17-jähriger Bauzeit fertiggestellt. Auch dieses Schloss wurde im Auftrag des Trierer Erzbischofes erbaut. Hier handelt es sich um, Arnold II. von Isenburg. Dem Schloss gegenüber befindet sich auf der anderen Rheinseite die Burg Lahneck, die auch einen Besuch wert ist. Das Schloss Stolzenfels wurde 2011 restauriert und kann sich deshalb besonders ansehnlich präsentieren. Es kann besichtigt werden und bietet neben dem Aufenthalt im historischen Rittersaal, in dem u.a. Waffen ausgestellt sind, auch das Erleben vieler Kunstgegenstände aus der Sammlung des Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm IV.

Die Burg Klopp in Bingen am Rhein

An der Abzweigung der Nahe vom Rhein liegt linksrheinisch die Burg Klopp. Sie wurde um 1240 auf einer Anhöhe errichtete und diente als Zollburg (zusammen mit der Burg Ehrenfels und dem Binger Mäuseturm) sowie später als Zwingburg, um das Volk durch Einschüchterung und Machtdemonstration ausreichend beherrschen zu können. Zweimal musste die Burg neu aufgebaut werden, nachdem sie im 30-jährigen Krieg sowie im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört worden war. Einige Teile wie Reste der Ringmauer sind jedoch ursprünglich erhalten geblieben. Heute residiert die Stadtverwaltung in der Burg auf dem Kloppberg und ein Restaurant bietet das Speisen im Burgsaal an.

Burgen und Schlösser erleben

Um effektiv so viel wie möglich besichtigen zu können und aus fachkundigem Mund die Geschichte der Gebäude, Regionen und Menschen zu hören, bieten sich geführte Touren an. Diese können von Privatanbietern sowie von den touristischen Einrichtungen der Städte in Anspruch genommen werden. Es lohnt sich, vorher Informationen im Netz zu sammeln, um auch interessante kulturelle Veranstaltungen wie Mittelalterfeste, Musikfestivals oder auch Theaterfestspiele zu erleben und den Besuch entlang des Rheins noch aufregender zu gestalten. Zudem lohnt sich in vielen Situationen das rechtzeitige Buchen von Zimmern in Schlosshotels sowie das Reservieren in Burgrestaurants.


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