Déjà – vu – Erlebnis

Ich war geplagt und verwirrt..von der Vorstellung, daß ich diese Szene schon einmal gesehen habe.

Nathaniel Hawthorne

Nathaniel Hawthorne by Brady, 1860-64


(Bildquelle: wikipedia.org)
Der Ort schien mir so vertraut wie die wohltuende Sauberkeit in der Küche meiner Großmutter..." So beschrieb der amerikanische Autor Nathaniel Hawthorne seine Eindrücke, als er Mitte des 19. Jahrhunderts zum erstenmal das Schloß von Stanton Harcourt bei Oxford besuchte. War Hawthorne vielleicht in einem früheren Leben schon einmal dort gewesen? Oder hatte er das Schloß gar in einer Vision gesehen? Solche Erlebnisse sind keinesfalls ungewöhnlich. Nach einer 1967 durchgeführten Untersuchung hat fast jeder dritte bereits eine solche Erfahrung gemacht, die man als Déjà-vu-Erlebnis bezeichnet. Der französische Ausdruck déjà vu bedeutet "schon gesehen" und beschreibt das Gefühl, etwas Gegenwärtiges schon einmal erlebt zu haben.

Begegnungen von Gestern und heute - In seinem Buch David Copperfield beschreibt Charles Dickens diese Erfahrung als "ein Gefühl, das uns gelegentlich überkommt...,als hätten uns vor langer Zeit die gleichen Gesichter, Dinge und Lebensumstände umgeben - und als wüßten wir genau, was als nächstes gesagt werden würde, als hätten wir uns plötzlich daran erinnert."

Was ist die Ursache für ein Déjà-vu-Erlebnis?

Der grieschiche Philosoph Platon sah darin einen Beweis für die Reinkarnation, also dafür, daß die Seele des Betroffenen schon einmal auf der Erde war. Das Rätsel ist auch heute noch nicht eindeutig gelöst. Die moderne Wissenschaft bietet verschiedene Erklärungen an. Einer Theorie zufolge spielen im Gedächtnis gespeicherte, aber scheinbar wieder vergessene Informationen eine Rolle. Bei Hawthrone war es tatsächlich so; er hatte in jungen Jahren eine lebendige Beschreibung von Stanton Harcourt gelesen - und wieder vergessen. Dies erklärt aber nicht, warum man manchmal - wie Dickens es beschreibt - im voraus weiß, was in einem ganz normalen Gespräch als nächstes gesagt werden wird.

Vielleicht kann man dieses Phänomen am besten mit den elektrischen Gehrinströmen erklären. Möglicherweise entsteht ein Déjà-vu-Gefühl dann, wenn zuweilen ein bestimmter Bezirk des Gehirns beim Erfassen einer Situation einen Augenblick hinter den anderen zurückbleibt. Er holt dann aber wieder gegenüber den anderen auf, was den Eindruck von Vertrautheit erzeugt, da jener Bezirk nun das verarbeitet, was in anderen Teilen des Gehirns bereits gespeichert worden ist.

 


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