Das Zeitalter der Postkutsche

Postkutsche


By Gerhard51 (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

Über Stock und Stein - Das Zeitalter der Postkutsche

Jahrhundertelang war die Postkutsche das schnellste Beförderungsmittel

Auf der Fahrt über eine steile, gewundene Paßstraße in den Alpen verlor eine Postkutsche in der Kurve die Balance und kippte um, blieb aber zum Glück an einem Baumstumpf oben am Abhang hängen. Zitternd kletterten die Passagiere aus der Kabine und brachten sich in Sicherheit, während das Gepäck polternd in die Tiefe stürzte. Solche Ereignisse waren im Postkutschenzeitalter nichts Außergewöhnliches. Das Reisen war damals eine unbequeme, wenn nicht gefährliche Angelegenheit, und viele Berichte von sich überschlagenden Postkutschen und durchgehenden Pferden waren an der Tagesordnung. Die sehr schlechten Verkehrswege wurden nach heftigen Regenfällen oft zu Rutschbahnen, auf denen die Pferde und Kutschen tief im Schlamm versanken und häufig steckenblieben.
Dazu kamen noch ganz andere Unannehmlichkeiten: Räuberbanden und Wegelagerer, die den Kutschen wohlhabender Adeliger und Bürger auflauerten, sowie merkwürdige, oft genug bedrohlich wirkende Mitreisende. So wurde von Passagieren berichtet, die zusammen mit in Ketten liegenden Sträflingen, mit Leichen und selbst mit einem dressierten Bären auf die Reise gehen mussten.
Auch die Kutscher, die zwar gutes Geld für ihre Arbeit erhielten und im allgemeinen respektierliche Leute waren, trugen nicht immer zur Verkehrssicherheit bei. Es kam vor, daß ihnen eine Tour zu anstrengend war und sie ihr Gefährt und die ihnen anvertrauten Reisenden einfach im Stich ließen. Es wurde aber auch von Wettrennen mit anderen Kutschen berichtet, bei denen es zu Verletzten kam.
Doch wer reisen wollte oder mußte, durfte sich von solchen Widrigkeiten nicht abschrecken lassen, denn die Postkutsche bot einen großen Vorteil: Sie war eindeutig das schnellste Beförderungsmittel ihrer Zeit. Ihr Netz von Haltestationen, an denen die Pferde gewechselt wurden und die angebotenen Nachtfahrten erlaubten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin 16 km/h.
Das Zeitalter der Postkutsche dauerte in Mitteleuropa mehrere Jahrhunderte – von 1516, als dem Speditionsunternehmen deren von Thurn und Taxis die allgemeine Personenbeförderung gestattet wurde, bis zur Mitte des 19. Jh., als die Eisenbahn ihren Siegeszug antrat. Geschichten rund um die Postkutsche, erheiternd oder gruselig, werden aber noch lange die Erinnerung an die gar nicht immer so gute alte Zeit wachhalten.


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