Abenteuer Manila

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"Sie sind verrückt" antwortete die philippinische Stewardess an Bord der Philippine Arlines im Landeanflug auf Manila. "Kein Mensch kann zwei Monate in Manila überleben." So war ihre These. Ich hatte nur zur ihr gesagt, dass ich zwei Monate in Manila wohnen würde.
Viele Philippinos verlassen die Provinzen der über 7000 Inseln in den letzten 50 Jahren und ziehen nach Manila, der Hauptstadt am Meer. Das Land hat 7107 Inseln und fast alle Urlauber landen in Manila und verlassen die Stadt gleich wieder, um mit einem Regionalflug nach Boracay oder Cebu, zu staubzuckerfeinen weissen Stränden, weiterzureisen. Aber ich werde bleiben in der Millionenstadt.

Und schon geht es los. Am Flughafenausgang stürzen sich 100 Taxifahrer auf jeden Reisenden, damit sie ihn in die Stadt schleusen können. Abgesehen davon, dass man möglicherweise ganz woanders landet als geplant und das Taxi den Gast in das Hotel des Vetters fährt, habe ich einen einfachen Trick angewendet. Ich verliess das "Ankunftsterminal" und kletterte hoch zum Ausgang:"Abflug." Hier bringen die Taxen abreisende Fluggäste hin, haben gerade schon was verdient und sind entspannt, weil unten bei "Ankunft" müssen sie oft drei Stunden auf einen Trip warten. Und so, und der Trick klappt weltweit, kann man billig in die City fahren und sich auch Tips vom Taxifahrer geben lassen. Die Landessprache ist Tagalog, aber so gut wie jeder Mensch spricht fliessend Englisch, auch weil die Philippinen eine Kolonie der USA waren.

Wer zum ersten Mal nach Manila reist, der sollte sich mit dem Taxi ins Büro seiner Fluggesellschaft fahren lassen, dort sein Gepäck abstellen und sich in Ruhe ein Hotel suchen. Zwar mag nicht jeder Mensch Klimanlagen, aber die Zimmer mit Kühlung sind meist komfortabler als Appartments mit Ventilator. Auf Strassenlärm muss bei der Zimmerwahl nicht geachtet werden, die Aircondition bügelt jedes Autohupen nieder.

Wie war ich nach Manila gekommen, wo ich vorher schon Urlaub gemacht hatte?

Ich war am Ende des letzten Urlaubs ins Kulturzentrum gegangen und habe nach einem Job gefragt, und nun war ich hier, für zwei Monate leben und arbeiten in Manila. Im Gegensatz zu Europa kann hier alles besprochen werden, es gibt keine Tabus. Allerdings diskutieren Asiaten gar nicht oder sehr selten. Die deutsche Diskussionsfrage: "Warum machst Du das so?" wird hier nicht verstanden. Fragst Du einen Philippino zum Beispiel: "Warum essen Sie so viel Reis?", dann wird die Antwort lauten:"Why the Sky is so very High?" Taxifahrer oder Butler, Kellner oder Manager, jeder Philippino ist jederzeit scherzend oder lacht über gemachte Jokes. Meine Arbeit im Kulturzentrum war, die Kulturen der Welt zu diskutieren. Auch mit deutschen Entwicklungshelfern vor Ort und einheimischen Lehrern diskutierten wir in der Summerschool über die verschiedenen Erziehungsarten und Eigenheiten der Weltkulturen.

Wie erziehen zum Beispiel Buddhisten ihre Kinder, damit sie respektvoll mit Tieren umgehen? Weil ein Buddhist wird die Kakerlake aus der Suppe fischen und sie auf eine Palme setzen, weil die Kakerlake könnte seine verstorbene Tante sein. Wie sieht ein Moslem die Ehe im Gegensatz zu den Menschen in Europa? Im Westen werfen die Menschen den Moslems vor, ihre Ehe sei mittelalterlich, weil die Eltern den Ehepartner aussuchen würden, in Europa ist eher das Romeo und Julia Drama anzutreffen.
Nach der Arbeit ist es auf den Philippinen gar nicht nötig, sich zu verabreden. Egal ob Discothek oder Restaurant oder am Strand, man ist sofort von 10 bis 20 Bekannten umringt und verbringt den Abend zusammen. Auch an den Nachbartischen sitzen immer Grossfamilien oder Cliquen von Stundenten. Es ist unüblich, auch in Ermita, dem Vergnügungsviertel von Manila, allein auszugehen. Ein französischer Schriftsteller hat mir das so erklärt:"In den Philippinen bist Du nie allein.Aber auf den Philippinen bist Du nie allein."


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